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DEICHMANN

Der Schuhhändler

FIRMENNAME
DEICHMANN SE

KLASSIKER
Schuhe (seit 1913)

GRÜNDUNG
1913 in Essen

BEKANNTHEIT
nahezu 100 % (in Deutschland)

MITARBEITENDE
rd. 39 564 (weltweit, 2017)

JAHRESABSATZ
rd. 176,6 Mio. Paar Schuhe (2017)

Nennt man in Deutschland den Namen DEICHMANN, dann wissen fast hundert Prozent der Befragten damit etwas anzufangen. DEICHMANN – eine Marke, die seit mehr als 100 Jahren für moderne Schuh­mode in guter Qualität zum günstigen Preis steht. Dieses Versprechen stellen die über 31 Millionen Kunden, die jährlich die rund 1.463 Filialen des Unternehmens in Deutschland besuchen, immer wie­der auf die Probe. Im Jahr 1913 eröffnete Heinrich Deichmann in Essen-Borbeck eine Schuh­mach­erei. Die ersten Kunden waren Bergleute, die von Deichmann solides und preis­günstiges Schuh­werk erwar­teten. Deichmann erkannte schnell, dass die Zukunft in der seriellen Pro­duktion liegt. Bereits 1919 begann daher der Verkauf maschinell herge­stellter Schuhe. Schnell entwickelte sich ein fester Kunden­stamm, der auch in Zeiten der Weltwirt­schaftskrise treu blieb.

1940 verstarb Firmengründer Heinrich Deichmann. Seine Frau Julie manövrierte das Unternehmen durch die schweren Zeiten. Nach dem Krieg baute der einzige Sohn Heinz-Horst Deichmann eine Schuh­macher­werkstatt für Repara­turen im Hof des elter­lichen Hauses auf und beschäftigte schon damals zwölf Mitarbeiter. Schnell hatte er 7000 Namen in der Kunden­kartei; Schuhe waren im Nach­kriegs­deutschland Mangel­ware. Niemand ahnte, dass hier das Fundament für den Marktführer im deutschen und euro­päischen Schuh­einzel­handel gelegt wurde. Clevere Konzepte und ein souveräner Umgang mit den Kunden ließen in dieser Zeit ein kontinu­ierliches Wachstum zu.

1949 folgte in Düsseldorf die erste Filiale außerhalb Essens. Und es wurden schon bald mehr. Die Laden­gestaltung wurde ständig modernisiert. Heinz-Horst Deichmann probierte neue Konzepte der Warenpräsentation aus. Aus den USA brachte er das Rack-Room-System nach Deutschland. Dabei wer­den die Schuhe dem Kunden paarweise im Karton präsentiert, man muss das Personal nicht mehr nach dem zweiten Schuh fragen, sondern kann in Ruhe auswählen, sich bei Bedarf aber auch beraten lassen.

Das Unternehmen wuchs stetig: Zum 50. Firmenjubiläum gab es 16 Verkaufsstellen, zum 75. Geburtstag stand bereits 400 Mal der Name Deichmann über einem Schuhgeschäft. Heute sind es über 3989 Läden weltweit. Rund um den Globus beschäftigt das Unternehmen ca. 39.564 Menschen bei einem Umsatz von 5,8 Milliarden Euro im Jahr 2017. Den ersten Schritt ins Ausland wagte das Unternehmen im Jahr 1973, als es die Schweizer Schuhkette Dosenbach übernahm. Heute ist DEICHMANN in 26 Ländern aktiv. Bei allem Expansionsdrang galt aber immer die Regel: Das Wachstum muss aus eigener Kraft fi­nan­ziert werden. Börsengang und Schulden waren tabu. Man wollte unabhängig sein von Aktionären und Banken.

1995 ging DEICHMANN als erster Schuheinzelhändler mit Werbung ins Fernsehen, stellte dort seine Marken wie Graceland, Bärenschuhe oder Medicus vor und positionierte sie als Qualitätsangebot zum günstigen Preis. Das Konzept ging auf. Mittlerweile dürfte ein Großteil der Deutschen DEICHMANN Schuhe im Schrank haben.

Weltweit agieren, aber die Wurzeln nicht vergessen – das ist eine Devise, die bei DEICHMANN einen hohen Stellenwert genießt. Trotz des Wachstums im Ausland stand der Standort Deutschland nie zur Diskussion. 2014 starb Dr. Heinz-Horst Deichmann. Aber bereits seit 1999 leitet sein Sohn – er heißt wie der Firmengründer Heinrich – die Geschäfte in der dritten Generation. Damit bleibt DEICHMANN fest in Familienhand. Wie seinen Vorgängern ist auch ihm das soziale Engagement wichtig. DEICHMANN hat von Anfang an Hilfsprojekte in Deutschland, später auch in Indien, Tansania, Moldawien und Griechenland unterstützt: von der Obdachlosenhilfe im Ruhrgebiet bis zum Hilfsprojekt für Slum­bewohner in Entwicklungsgebieten. Expansion war und ist nie Selbstzweck für die Inhaber.

Das Unternehmensziel ist klar definiert. „Das Unternehmen muss den Menschen dienen“, lautet die Vorgabe. Damit sind die Kunden genauso gemeint wie die Mitarbeiter – und Menschen in Not.