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FHB

Die Zunftkleidung

FIRMENNAME
FHB original GmbH & Co. KG

KLASSIKER
FHB (seit 1947)

GRÜNDUNG
1947 in Bielefeld

GRÜNDER UND ERFINDER
Fritz Höhne (1912–1995)

MITARBEITENDE
100 (2018)

PRODUKTIONSSTANDORTE
Deutschland, Osteuropa, Asien

Die Schlaghose heißt Gustav, die Weste Fritz. Das will nicht verwirren, das macht Sinn: Bei FHB hat jedes Produkt einen eigenen Namen, 256 gibt es zurzeit. Das stärkt die emotionale Bindung zwischen Träger und Hose. Und ist ungemein praktisch, denn es macht den Wiederkauf der geschätzten Arbeitskleidung ganz leicht.

Die drei Buchstaben FHB stehen für „Fritz Höhne, Bielefeld“, die weltweit älteste Fabrik für Zunft­kleidung, deren Wurzeln bis ins Jahr 1894 zurückreichen. Zunftkleidung nennt sich das, was Zim­mer­leute, Dachdecker, Maurer, Steinmetze oder Tischler täglich tragen, weil sie stolz auf ihre Handwerks­kunst sind. Im Mittelpunkt steht die Hose aus Trenkercord und Zwirn-Doppelpilot mit zwei Reißver­schlüssen vorne. Dazu passend gibt es Weste und Jackett sowie umfang­reiches Zubehör wie Hemd und Krawatte, Hut, Halstuch, Gürtel und Schließe mit Zunft­zeichen, Hosenträger oder Ham­mer­kette. Und natürlich Schuhe. Eine Arbeits­kleidung, die ideal für jede Baustelle ist. Und typisches Outfit auf der Walz, die drei Jahre und einen Tag währende Wander­schaft der Handwerks­burschen und -mädels.

Heute hat der Marktführer FHB seinen Sitz in Spenge, einer beschaulichen Kleinstadt zwischen Teutoburger Wald und Wiehengebirge. Das ist Ostwestfalen-Lippe, wo zwischen Weltkonzernen und -marken wie Miele, Dr. Oetker und Bertelsmann die zumeist familien­geführten Hidden Champions dicht an dicht sitzen. Mittendrin FHB – eines der letzten Unternehmen, das mehr als 120 Jahre nach seiner Gründung im vermeintlichen Hoch­lohnland Deutschland noch immer erfolgreich Bekleidung herstellt. Und zwar komplett. Von der Idee bis zum Versand an die Kunden, inklusive nähen und bügeln.

Ein Auslaufmodell? Im Gegenteil – ein Modell mit Zukunft, sagt der Inhaber und kreative Kopf von FHB, Peter Hoffmann. Der 54-jährige Diplom-Kaufmann und Marketing­experte mit familiären Wurzeln in der Damenoberbekleidung erkannte schnell das Potenzial der zuvor etwas angegrauten Marke. Seit 2002 klopft er mit erfrischenden Ideen und einem scharfen Blick fürs Original den Staub des letzten Jahr­hun­derts aus Dreidraht-Cord und Deutschleder. Denn Zunft­kleidung ist mittlerweile Kult im besten Sinne, ein Stück deutscher Arbeitskultur.

100.000 Zimmerleute, Dachdecker, Maurer, Steinmetze oder Tischler können nicht irren: Die Meisterin trägt Zunftkleidung im Kundengespräch, der Geselle auf der Walz, der Lehrling auf dem Dach. Und besonders gern auch der künftige Juniorchef, obwohl der noch in den Kindergarten geht. Für alle noch Kleineren gibt es den stilechten Teddy im Zunftzeug. Für die besonders Großen und Starken bietet FHB sogar eine Maßfer­tigung mit dreiwöchiger Lieferzeit an.

Obwohl das Wesen der Handwerks­zünfte von alters her eine ziemlich deutsche Sache ist, trägt man die acht Knöpfe zählende Weste und das sechs Knöpfe zählende Jackett aus schwarzem Cord mittlerweile auch im Ausland gern. Holzwerker in Norwegen und Schiffs­bauer in Dänemark kleiden sich in FHB. Und immer mehr stilbewusste Indivi­dualisten in aller Welt, auch ohne direkten Bezug zum Handwerk. Denn die rustikale Zunftware ist Statement und Lebensgefühl zugleich, zeitlose Kleidung für aus­drucks­starke Leistungs­träger. Hoffmann und seine mit Herzblut schaffende hundertköpfige FHB-Mannschaft haben den Umsatz in den letzten zehn Jahren verfünffacht; die jährlichen Zuwachs­raten sind anhaltend zweistellig. Neue Märkte wollen erobert, neue Zielgruppen gewonnen und neue Vertriebs­wege erschlos­sen werden. Parallel dazu müssen die Kunden und der Fachhandel gepflegt, die Kollektionen überarbeitet und die Produktpalette erweitert werden.

Auch in der „normalen Berufsbekleidung“ hat FHB große Pläne und stellt unter dem Motto „Wähle Deine Farbe“ ein komplettes Bekleidungs­programm vor. Zehn Farben in bis zu vierzig Größen. Die Grenzen des Wachstums sind noch lange nicht erreicht für das zugleich robuste und sinnliche Produkt Zunft­kleidung und die neue Arbeits­bekleidung von FHB. Und das ist Ausdruck einer immer stärker werdenden Bewegung, die das Nachhaltige über das Moderne stellt.