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Gütermann

Das Nähgarn

FIRMENNAME
Gütermann GmbH

KLASSIKER
Allesnäher (seit 1864)

GRÜNDUNG
1864 in Wien, 1867 Umzug nach Gutach/Breisgau

GRÜNDER
Max Gütermann

MITARBEITENDE
1000 (weltweit)

VERTRIEB
in über 80 Ländern weltweit

Die Kaiserstadt Wien ist im 19. Jahrhundert ein bedeu­tender Umschlag­platz für Seide in Europa. Große Handels­häuser bieten beste Möglich­keiten zur kauf­männischen und technischen Ausbil­dung in der Branche. Hier sammelt Max Gütermann die notwen­digen Erfah­rungen, bevor er 1864 seine eigene Firma gründet. Zunächst lässt Gütermann Seidenzwirn im Auftrag fertigen und kümmert sich nur um den Vertrieb. Doch das Geschäft entwickelt sich so rasch, dass sich der junge Unter­nehmer nach einem günstigen Ort für eine eigene Produk­tions­stätte umsieht. 1867 verlässt Max Gütermann Wien und geht nach Gutach. Er tauscht die Weltstadt gegen ein Dorf im Breisgau. Denn die kleine Ortschaft hat wich­tige Vorzüge zu bieten: Das weiche Wasser an der Elz eignet sich hervor­ragend zum Färben, des Wei­teren ist Wasser­kraft in reichlichem Maß vorhanden, ebenso die Möglichkeit zur Expansion. „Wir wollen die beste Nähseide auf die wirtschaft­lichste Weise herstellen und sie so verkaufen, dass der Ver­brau­cher sie so billig wie möglich erhalten kann.“

Mit diesem Leitsatz nimmt Gütermann die Produktion auf. Schon bald wird aus „Gütermann’s Näh­seide“ eine Weltmarke, die ihrer guten Qualität wegen gerne gekauft wird. Die große Nachfrage ist aber auch auf die Entscheidung zurückzuführen, mit dem damals üblichen Brauch zu brechen, Seide nach Gewicht zu verkaufen. Oft wird dazu die Seide mit Metall­pulver beschwert, um ihr bei Stoffen wie Krawatten oder Trachten einen schöner hängenden Eindruck zu verleihen. Dadurch entsteht jedoch ein Durcheinander im Preisvergleich mit unbeschwerter Seide, wie sie für einen klassischen Nähfaden verwendet wird. Gütermann zieht es vor, seine Seidenstränge meterweise anzubieten. Die Verbraucher wissen das zu schätzen und bringen Gütermann Vertrauen entgegen. Auf diese Weise gelingt es Gütermann, am Markt Fuß zu fassen und sein Geschäft erfolgreich zu etablieren. In die Gründer­zeit fällt auch die systematische Neu­gestal­tung der Aufmachungen, in denen Gütermann seine Nähseide ver­kauft. Auf dem Markt werden seit jeher Strängchen, Holzspulen oder bewickelte flache Papp­kärt­chen­angeboten. Anlass genug für Gütermann, die heute zum All­gemeingut gewordene gemusterte Kreuz­wicklung auf Hülsen zu entwickeln. Im Einzel­handel werden diese Röllchen in Verkaufs­kom­moden angeboten, die 180 Dutzend Näh­seiden­röllchen in ebenso vielen Farben fassen können und in zehn­tausenden Exemplaren in alle Welt versandt werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg steht Gütermann vor der Aufgabe, aus den neuen synthetischen Fasern einen Nähfaden zu entwickeln, dessen Zug­fähig­keit und Elastizität höchsten Ansprüchen genügt. Dies gelingt, und die Firma kann sich im klassischen Detail­handel und zunehmend auch in anderen Bereichen wie der Bekleidungs- oder Schuh­industrie etablieren. Die neuen Produkte sind universell einsetzbar, und Seide und Baumwolle rücken in den Hintergrund. Bald werden die Nähfäden von Gütermann weitgehend aus synthetischen Materialien (hauptsächlich Polyester) hergestellt.

Eine permanente Weiter­entwicklung stellt sicher, dass sie auch den sich ständig verändernden Anfor­derungen der Kunden gerecht bleiben. 1995 kann der Gütermann­faden seine hohe Qualität auf ganz besondere Weise demonstrieren: Christo näht seine spektakuläre Umhüllung des Reichs­tags mit Näh­garn aus dem Hause Gütermann. 1997 wird das Unternehmen in eine Aktien­gesellschaft um­ge­wan­delt.

2014 erfolgte der Zusammen­schluss mit dem amerikanischen Nähfaden­hersteller American & Efird. Seit mehr als 275 Jahren, die hinter beiden Unternehmen liegen, zählt A&E Gütermann zur Spitze der tradi­tions­reichsten und erfahrensten Nähfaden­hersteller weltweit. In den Sparten Industrie und Auto­mo­tive/TechTex sind wir der Nähfaden­spezialist. Gemeinsam mit unseren Kunden entwickeln wir in­di­vi­duelle Apparel und Non-Apparel Lösungen. In der Sparte Consumer richten wir uns mit unseren Näh­fä­den und ergänzenden Produkten wie Perlen, Stoffen und Kurz­waren­artikeln am End­verbraucher aus.