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Gutenberg

Der Siegellack

FIRMENNAME
Gutenberg GmbH

KLASSIKER
Siegellack (seit 1924)

GRÜNDUNG
1793 in Wiesbaden

VERTRIEB
weltweit

HAUPTFERTIGUNGSSTÄTTE
Burgdorf

„Schon seit jeher“, so weiß es die Firmen­chronik, „sei erzählt worden, Scholz habe als eines Försters Sohn sich auf das Zurichten und Schneiden von Feder­kielen zu Schreib­federn besonders verstanden, und daher rühre es, wenn sein Betrieb mit der Her­stellung und dem Verkauf von Schreib­waren be­gon­nen habe.“ Ob es nun tat­sächlich seine Verbunden­heit zur Fauna des Waldes war, die Joseph Carl Scholz 1793 in Wiesbaden einen Groß­handel für Papier und Schreib­waren gründen ließ, mag zwei­fel­haft erscheinen. Wahr­schein­licher ist, dass der gebürtige Peterwitzer seine Verbindungen zur schlesischen Heimat nutzte, um von dort seine Gänsekiele günstig beziehen zu können. Scholz ist bald erfolgreich. Zu den Gänse­feder­kielen gesellt sich schnell eine Siegel­lack­produktion.

1829 siedelt das Unternehmen nach Mainz in die ehemalige Wirkungs­stätte des Namens­patrons und Buch­druck­erfinders Johannes Gutenberg um. Vier Jahre später übernimmt der Sohn Christian Scholz die Leitung der Firma und erweitert sie um eine Druckerei und einen Verlag, der bald mit künstlerisch hochwertigen Bilder- und Malbüchern für Kinder Erfolg hat − inspiriert von Friedrich Justin Bertuch, der in dieser Zeit mit einem gigantischen, zwölf­bändigen, lexikon­artigen „Bilder­buch für Kinder“ Maßstäbe setzt.

Vieles, was uns heute so selbst­ver­ständ­lich und unver­zichtbar erscheint, nahm damals gerade erst sei­nen An­fang – vom Blei­stift bis zur Stahl­feder, von der Büro­klammer bis hin zum Durch­schlag­papier. Die Brüder Christian Karl und Rudolf Scholz – Enkel des Firmen­gründers – erkannten die Zeichen der Zeit und grün­deten 1924 gemeinsam mit dem Mainzer Seifen­fabri­kanten Wilhelm Hochgesand die Siegel­lack­fabrik Jos. Scholz GmbH. Der Erfolg gab den Gründern recht. Neue Pro­dukte wurden ent­wickelt − maß­ge­schnei­dert auf die verschie­densten Kunden­bedürfnisse. So entstan­den in kurzer Zeit Banklack und Urkun­den­lack für das Versie­geln von Dokumenten. Mit Banklack verschlossene Briefe oder Depeschen konnten nicht länger heim­lich geöffnet und deren persön­licher Inhalt aus­spioniert werden. Flaschen­lack für die Kenn­zeichnung hoch­wertiger Spirituosen, Tafel­lack für die indus­trielle Anwendung und Perlen­lack für die Her­stellung von feinsten Mess­geräten.

Auch in der Kunst findet der Siegel­lack seine Anwendungs­bereiche. Der für Künstler entwickelte Wap­pen­lack ist inzwischen in nahezu 30 verschiedenen Farben erhältlich. Nach und nach werden viele Büro­produkte zu der Marke „Gutenberg“ addiert. Was für ein Name, was für ein Anspruch! Die Siegel­lacke, Tinten, Tuschen, Kleb­stoffe, Farb­bänder und Stempel­kissen der Firma profitierten natürlich vom hehren Klang des berühmten Namens des Mainzer Stadtsohns Gutenberg. Doch vor allem hatte man blitz­schnell eine Markt­lücke erkannt und zugleich ge­schlos­sen: die mit der Ver­breitung moderner Schreib­maschinen­büros rapide zunehmende Nach­frage nach Büro- und Schreib­zubehör.

Einen großen Wurf stellte ein auf den ersten Blick eher unschein­bares Produkt dar: der 1934 vorge­stellte „Gummier­stift“, eine markant und schlank geformte Glas­flasche, gefüllt mit natürlichem „Kristall-Gummi“ (Gummi arabicum in Wasser), versehen mit einem Kleb­stoff­ver­streicher an der Deckel­kappe. „Klebt ohne Pinsel!“, versprachen damalige Werbe­plakate vollmundig: „Sauber und praktisch!“. Dies konnte nicht zuletzt die Deutsche Bundespost bestätigen, an die der Gummier­stift jahr­zehnte­lang geliefert wurde. Hinzu kommt, dass die unver­wechselbare Glas­flasche auch ökologisch ein hervor­ragendes Image hat: Sie ist nach­füllbar, und als Kleb­stoff und Lösungs­mittel werden nur Pflanzen­gummi und Wasser verwendet – beste Voraussetzungen also, um auch weiterhin seinen Stamm­platz auf deutschen Schreib­tischen als sympa­thisches und sehr funktio­nales Hilfs­mittel halten zu können.

Auch wenn sich das Sortiment inzwischen um viele Artikel erweitert hat, produziert Gutenberg weiterhin in Deutschland die klas­sischen Produkte Wappen­lack, Urkunden­lack und den Gummier­stift, die in ihren Verpackungen und Dar­stellungs­formen einen extrem hohen Wieder­erken­nungs­wert haben. In den Siegel­lacken und Kleb­stoffen lebt die Tradition der Marke Gutenberg fort. Auch heute genießt der Name Gutenberg immer noch in der ganzen Welt hohe Anerkennung und Vertrauen.