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Herrenknecht

Die Tunnelvortriebsmaschine

FIRMENNAME
Herrenknecht AG

KLASSIKER
Maschinelle Tunnelvortriebstechnik

GRÜNDER
Dr. Ing. E.h. Martin Herrenknecht

MITARBEITENDE
über 5000 weltweit

JAHRESUMSATZ
1,247 Mrd. Euro (2017)

HAUPTFERTIGUNGSSTÄTTE
Schwanau, Deutschland

„Hurra, wir sind durch!“, „Am Gotthard beginnt die Zukunft“, „Freie Sicht zum Mittelmeer“ – das sind nur einige der Schlag­zeilen zum finalen Durch­bruch am Gotthard-Basis­tunnel. Als die Tunnel­bohr­maschine „Sissi“ am 15. Oktober 2010 die letzten Meter der Oströhre erstellte, wurde dies live im Fernsehen übertragen. Weltweit tauchte ihr Bild in den Zeitungen auf. Sissi war eine von vier Herrenknecht-Tunnel­bohr­maschinen, die insgesamt mehr als 85 Kilometer der Haupt­röhren des Gotthard-Basis­tunnels aufbohrten, dem mit zweimal 57 Kilometern längsten Tunnel der Welt.

Doch auch Sissi, Heidi, Gabi I und Gabi II, wie die vier Vortriebs­maschinen getauft wurden, warteten mit beacht­lichen Fakten auf. Mit einem Durch­messer von 8,83 – 9,58 Metern waren sie bis zu 450 Meter lang und 2700 Tonnen schwer; bestehend aus 90.000 Einzel­teilen, wurden sie eigens für die Vortriebe am Gotthard konstruiert. Sie knackten bis zu 56 Meter Fels pro Tag, und Heidi erreichte eine Punkt­landung: Am Ziel betrug die vertikale Abweichung zum Sollwert nur drei Millimeter, horizontal null Millimeter.

Derart zielsicher sind Herrenknecht-Tunnel­bohr­maschinen weltweit unterwegs. Bis heute erstellten sie mehr als 1600 Kilometer neue Metro­tunnel und mehr als 670 Kilometer Eisen­bahn­tunnel. Mit maschi­neller Vortriebs­technik werden Ver- und Entsor­gungs­systeme in unter­schied­lichen Durch­messern ausgebaut. Dabei queren die unter­irdischen Rohr­leitungen und Tunnel natürliche Hindernisse wie Berge, Flüsse oder Meeresarme und unterqueren dicht bebaute Gebiete; während das Leben an der Ober­fläche davon nahezu unberührt weitergeht. Für Dr.-Ing. E. h. Martin Herrenknecht, den Unter­nehmens­gründer, hat jedes der über 3700 Projekte in der über 40-jährigen Firmen­geschichte seinen eigenen Reiz. So wurde 2014 im Herrenknecht-Werk in China die weltgrößte Tunnel­bohr­maschine zum Bau eines Straßen­tunnels in Hongkong abgenommen, mit einem Rekord­durchmesser von 17,6 Meter. In Las Vegas schloss eine Herrenknecht-Maschine am Lake Mead einen einzigartigen Vortrieb unter 15 bar Wasser­druck ab – ebenfalls Welt­rekord. Und 2015 unterquerte ein Mix­schild mit einem Durch­messer von 13,6 Metern den Bosporus in Istanbul. Zeitgleich erstellten 21 Herrenknecht-Maschinen 111 Kilometer neue Metrotunnel unter Katars Hauptstadt Doha.

Alles begann bereits in den 1970er-Jahren mit „Big John“, der Tunnel­vortriebs­maschine beim Bau des Schweizer Seelisberg­tunnels. Für sie zuständig war der damalige Leiter des maschinen­tech­nischen Dienstes: Martin Herrenknecht. Als passionierter Ingenieur wollte er derartige Maschinen noch weiter verbessern und gründete 1977 die Herrenknecht GmbH.

Seine ersten Maschinen waren hydraulische Exkava­toren für den Bau von unter­irdischen Kanal­sys­temen. Rasch wurde dem Voll­blut­unter­nehmer klar, dass ein derart speziali­siertes Geschäft nur auf welt­weiter Basis erfolg­reich sein konnte. Deshalb schaffte er von den ersten Gewinnen unter anderem einen Fernschreiber an. Seitdem verging kaum ein Jahr ohne bahn­brechende Inno­vationen: Auf große Nach­frage stießen die selbst­entwickelten Mikro­maschinen für nicht begehbare Tunnel­durchmesser, oder das 1985 entwickelte patentierte Mixschild. Längst wird auch nach unten gebohrt: Seit rund zehn Jahren vertreibt Herrenknecht auch neuartige Vortriebs- und Bohr­technik in den Märkten Mining (Bau unterirdischer Infra­strukturen rund um Rohstoff­vorkommen) und Exploration (Erschließung von Öl, Gas sowie Erdwärme).

So wurde aus dem Ein-Mann-Unter­nehmen der weltweite Technologie- und Marktführer. Zur Herrenknecht AG gehören 76 Tochter- und Beteili­gungs­gesell­schaften im In- und Ausland, über 5000 Mitar­bei­tende erwirt­schafteten einen Jahres­umsatz von 1,247 Mrd. Euro (2017). All dies ist zurück­zuführen auf die Vision eines Mannes, der in hohem Maße technische Kompetenz, unter­nehmerische Begabung und persönliche Über­zeugungs­kraft in sich vereint. Mit der Gründung einer Familien­stiftung sowie dem Einstieg seines Sohnes Martin-Devid ist auch für die Zukunft der AG gut gesorgt. Martin Herrenknecht führt heute ein international angesehenes Familien­unternehmen aus Baden-Württemberg – nach der Devise „Denke positiv. Gemeinsam gestalten wir die Zukunft.“