Logo DIE ZEIT Verlagsgruppe

Lambertz

Die Printe

FIRMENNAME
Aachener Printen- und Schokoladenfabrik Henry Lambertz GmbH & Co. KG

KLASSIKER
Lambertz Printe (um 1820)

GRÜNDUNG
1688 in Aachen

GRÜNDER
Bäckermeister Henry Lambertz

MITARBEITENDE
4000 (2018)

VERTRIEB
weltweit

Ein Gebäck hat die ehrwürdige Kaiser­stadt Aachen mindestens ebenso bekannt gemacht wie der Dom: die Printe. Dass aber aus dieser zunächst nur im Rheinland beliebten Leckerei ein Gebäck wurde, bei dem jeder hierzu­lande an die Freuden der Weih­nachts­zeit denkt, geht vor allem auf den Erfolg des Hauses Lambertz zurück, eine der wohl ältesten Marken in der deutschen Wirt­schafts­geschichte. Inzwischen ist es 330 Jahre her, dass im Jahr 1688 Heinrich Lambertz vom Rate des königlichen Stuhls und des Heiligen Römischen Reichs die „Gerechtsame“ erteilt wurde, am Markt No. 7 zu Aachen ein Backhaus zu errichten. Dort wetteiferte der Bäcker­meister mit anderen Vertretern seiner Zunft um die Herstellung der schönsten Bildprinten.

Der Name dieses Gebäcks leitet sich her von dem Verb „printen“, was so viel hieß wie „ausdrücken“ und besagte, dass man mithilfe von Gebäck­formen, sogenannten Modeln, Teig zu kunstvollen „Gebild­bro­ten“ ausformte. Denn vorrangig ging es um die Gestalt der Printe, weniger um ihren Ge­schmack. Das änderte sich von Grund auf, als um 1820 Henry Lambertz als erster Bäcker Zucker in den Printen­teig mischte und diesen dann in rechteckige Streifen schnitt. So entstand die Schnitt­printe, wie wir sie noch heute kennen. Mit diesem würzigen Süßgebäck traf Lambertz den Geschmack einer breiten Käufer­schicht. Die neuen Printen ließen sich zudem wesentlich preis­günstiger herstellen, wodurch sie zu einer erschwing­lichen Handelsware wurden. Von 1865 an firmierte der einstige Hand­werks­­betrieb dann auch als „Aachener Printen- und Dampf­schokoladen­fabrik Henry Lambertz“. Printen gehörten von nun an zu den Weihnachtssymbolen wie der Tannenbaum.

In diese Zeit fiel eine weitere Neuerung der Printen­geschichte: Die Tochter des späteren Inhabers Christian Geller tauchte eine Kräuter­printe in den Schoko­laden­kübel der Fabrik und sorgte damit für das erste Gebäck mit Schoko­laden­überzug in Deutschland. Mandeln, Nüsse, Marzipan und andere leckere Zutaten konnten nun mitver­arbeitet werden. Kein Wunder, dass Lambertz bald zum Hof­lie­feranten avancierte. Diese Tradi­tion hat das Unter­nehmen praktisch auch in die Neuzeit überführt, denn die Lambertz Printe wird von deutschen Politikern gern als Gastgeschenk überreicht.

Im Jahr 1938 wurde dann eine weiche Variante der bis dahin nur knusprig-harten Printe entwickelt. Unter der Bezeichnung „Saftprinte“ trat die Aachener Spezia­lität ihren Sieges­zug auch außerhalb der tradi­tionellen Absatz­gebiete an. Da die Bezeich­nung patent­rechtlich geschützt ist, erkennt man bis heute echte Saft­printen einfach an dem Namen Lambertz. „Haus zur Sonne“ hieß das Gebäude, in dem Heinrich Lambertz seine Bäckerei einrichtete. Und auch heute noch ist diese Sonne das Wahr­zeichen des Hauses Lambertz.

Seit Übernahme der Geschäfts­führung durch den heutigen Allein­inhaber Prof. Dr. Hermann Bühlbecker im Jahr 1977 wurde aus der einstigen Tra­di­tions­bäckerei aller­dings ein im wahrsten Sinne des Wortes ausge­zeichnetes mittel­ständisches Unter­nehmen mit einem Umsatz von rund 654 Millionen Euro, über 4000 Beschäftigten und insgesamt mehr als 130.000 Tonnen hergestellten Backwaren pro Jahr. Tradi­tions­bewusstsein, unter­nehmerische Flexi­bilität, ständige Inno­vations­kraft und die Fähigkeit zur Markt­anpassung bestimmen heute mehr denn je das Marketing- und Vertriebskonzept der Lambertz-Gruppe. Auch Mehr­heits­beteiligungen, wie bei dem für seine Stollen bekannten Dresdner Traditions­betrieb Dr. Quendt, gehören zur Strategie.

Mit diesem Zuwachs sind das Haus Lambertz und seine Tochter­unternehmen nunmehr mit allen drei großen regionalen Herkunfts­bezeichnungen – Aachener Printen (Lambertz und Kinkartz), Nürnberger Lebkuchen (Weiss, Haeberlein-Metzger und Burg Lebkuchen), Dresdner Stollen (Dr. Quendt) – im deutschen und inter­natio­nalen Lebens­mittel­handel vertreten. Die Lambertz-Gruppe ist damit nicht nur der älteste, sondern auch der größte Saison­gebäck­hersteller der Welt. Aufgrund der Sortiments­vielfalt, die von Domino­steinen, Spekulatius, Mozart­kugeln, Baumkugeln bis hin zu vielen Ganz­jahres­gebäck­spezialitäten reicht, zählt Lambertz heute zu den führenden Gebäck­herstellern Deutschlands.