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Langenscheidt

Das Wörterbuch

FIRMENNAME
Langenscheidt GmbH & Co. KG

KLASSIKER
Wörterbücher, Sprachlernprodukte

GRÜNDUNG
1856 in Berlin

ERFINDER
Gustav Langenscheidt (1832 – 1895) 

MARKTPOSITION
Marktführer Wörterbücher und Sprachführer in Deutschland (Media Control) 

Nur ein kleiner Buchstabe auf gelbem Grund, schreibt man ganz bescheiden. Stimmt aber natürlich nicht. Denn der kleine Buchstabe ist ein „L“ – und er ist seit über 160 Jahren nichts weniger als ein Ver­mittler zwischen Menschen und Kulturen. Klar, die Rede ist von Langenscheidt. Das ikonische L steht für eine große, völker­verbindende Idee und gleichzeitig für ihren Erfinder, Gustav Langenscheidt. 

Dieser begann seine Karriere im frühen 19. Jahr­hundert, und zwar mit Sprach­losig­keit. 17-jährig, hatte er sich von Berlin aus aufgemacht, Europa zu erkunden. Zu Fuß. In Italien war er, in Frankreich und England, und überall begegnete er Menschen. „Ich gewann fast alle Trink­wetten“, notiert der junge Mann in seinem Reise­tagebuch, doch unter­halten konnte er sich mangels fremd­sprach­licher Bildung mit niemandem. „Es ist ein wahrhaft peinliches Gefühl, unter Menschen nicht Mensch sein und seine Gedanken aus­tauschen zu können“, so der frustrierte Langenscheidt. Zum Glück jedoch setzte er diese Frus­tration in Schaf­fens­kraft um. Sie bewog ihn nämlich dazu, sich nach seiner Rückkehr nach Berlin einen Fran­zösisch­lehrer zu nehmen. Diesen ließ er alle Worte langsam und mehrfach vorsprechen und notierte sie in einer Art Noten­schrift für Laute. Langenscheidt hatte die Laut­schrift erfunden. Damit, und mit vielen Jahren Geduld, verfasste er Fran­zösisch-Selbst­lernkurse in Form von Unter­richts­briefen. Und da niemand seine Idee so genial fand wie er selbst, gründete er anno 1856 seinen eigenen Verlag. 

Der Langenscheidt Verlag verschickte anfangs besagte Unter­richts­briefe. Doch schon bald stand ein echtes Jahr­hundert­werk ins Haus. Im Jahr 1880 ver­öffent­lichte man das erste enzyklo­pädische Wörter­buch Deutsch-Französisch. Seine Autoren Carl Sachs und Césaire Villatte hatten ganze 17 Jahre daran gearbeitet. Kein Wunder, bei 4000 Seiten und über 310.000 Einträgen. Eine englische Version folgte 1901 – und Langenscheidt hatte eines seiner Kern­produkte etabliert. Doch ließen sich solche Kolosse nur schwerlich mit auf die Reise nehmen. Konsequent verkleinerten die Sprach­spezialisten darum ihre Publi­kationen auch auf Taschen­niveau – 1903 erschien das erste Taschen­wörter­buch, übrigens auch zum ersten Mal mit einem großen „L“ auf der Titel­seite. 

Seitdem blieb man der Grund­idee treu und entwickelte sie als Early Adopter für jede neue Techno­logie weiter. Von der ersten Grammo­fon­platte – ein Englisch­kurs auf feinstem Schellack – über Ton­band­kas­setten und CD-ROMs bis zu digi­talen Anwen­dungen wie den ersten E-Books und Apps für Smartphone & Co im Jahr 2010 gilt: Langenscheidt und tech­nische Errungen­schaften sind ziemlich beste Freunde. Eine besonders bemerkens­werte präsentierte das Unternehmen im Jahr 1983. Der „Alpha 8“ war das erste elektro­nische Wörter­buch der Welt, das optisch einem Taschen­rechner ähnelte und damit die Ära des elektro­nischen und später digitalen Sprachen­lernens einläutete.

Seinen typischen Look hat Langenscheidt übrigens schon im Jahr 1956 bekommen. Der Berliner Pro­fes­sor Richard Blank hatte das Logo und damit zugleich ein komplettes Corporate Design erfunden, das bis heute in seinen Grund­zügen erhalten ist – und ein unmiss­ver­ständ­liches Marken­zeichen wurde. Der Verlag selbst sitzt seit dem Mauerbau in den 1960er-Jahren nicht mehr in Berlin, sondern bis heute in München. Die Familie Langenscheidt zog sich im Jahr 2013 aus dem Geschäft zurück, seitdem ist die Günther Holding Eigen­tümerin des Unternehmens. Seit 2014 lenkt Ivo Kai Kuhnt als Geschäfts­führer zusammen mit einem ambitionierten Team die Geschicke des heutigen Verlages: der Langenscheidt GmbH & Co. KG. In ihr sind rund 60 Mitarbeiter damit beschäftigt, die Vision von Gustav Langenscheidt beständig weiter­zuentwickeln. 

Dazu zählt auch der stärkere Fokus aufs Digitale. So wurden im Juni 2017 die digitalen Aktivitäten in einer eigen­ständigen Gesell­schaft zusammengefasst. „Langenscheidt Digital“ ist die Antwort auf ein verändertes Nutzer­verhalten und den wachsenden Hunger nach digitalem Futter. Schließlich hat im 21. Jahr­hundert nun jeder die Möglichkeit, alle Sprachen dieser Welt in seiner Hosen­tasche dabeizuhaben. Wenn Gustav Langenscheidt das noch hätte erleben können …