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Mannesmann

Das Stahlrohr

FIRMENNAME
Salzgitter Mannesmann GmbH

KLASSIKER
Mannesmann Stahlrohr (seit 1886)

ERFINDER UND GRÜNDER
Reinhard und Max Mannesmann

VERTRIEB
weltweit

In der Nacht vom 21. auf den 22. August 1886 wird in Remscheid Indus­trie­ge­schichte geschrieben: Max und Reinhard Mannesmann walzen das erste nahtlose Stahl­rohr. Noch ist es ein ziemlich wuchtiger, dick­wandiger Hohl­körper. Doch dieses Her­stellungs­ver­fahren wird nicht nur die indus­trielle Ferti­gung revolu­tionieren und der Technik völlig neue Möglich­keiten eröffnen; sondern auch dafür sorgen, dass der Familienname der Erfinder schließlich für eine Jahr­hundert­marke steht. 

Am Anfang stand die Feilen­fabrik von Reinhard Mannesmann senior. Er betrieb in Remscheid, wo sich schon zu vor­indus­trieller Zeit ein Zentrum hoch­wertiger Werk­zeug­pro­duktion befand, ein weithin bekanntes und angesehenes Unter­nehmen. Bereits auf der ersten Welt­ausstellung im Jahr 1851 in London hatten seine Werk­zeuge Aus­zeich­nungen erhalten. Seine sechs Söhne, die er entgegen der Tradition bergischer Fabrikanten auf Uni­versi­täten schickte, absolvierten alle ingenieur- oder natur­wissen­schaftliche Studien. Zurück im väterlichen Betrieb optimierten die beiden ältesten Söhne Reinhard und Max mit Unter­stützung der jüngeren Brüder die Feilen­her­stellung. Dabei identi­fizierten sie eine in der Vor­material­produktion eingesetzte Glättwalze als Verursacher von häufig auftretenden Fehlern. Andere Techniker hatten diese auf Material­mängel zurückgeführt. Reinhard und Max Mannesmann ließen ein optimiertes Walzwerk konstruieren, mit dem sie nach exakt berechneten Plänen syste­matisch Versuche durchführten. 

Ende 1884 waren sie sich ihrer revolu­tionären Er­kennt­nis sicher: Es ist möglich, aus massiven Stahl­blöcken Rohre zu walzen. Die Mannesmann-Brüder beantragten Patent­schutz. Wenige Jahre später konnten aus den dicken Hohl­blöcken tatsächlich markt­fähige, dünn­wandige und serien­taugliche Rohre gewalzt werden. Auf Stahl­rohre, die absolut zuver­lässig, beliebig verformbar und von vergleichs­weise geringem Gewicht waren, hatten Anlagen­bauer und Fahrzeug­industrie lange gewartet. All dies garantierten die nahtlosen Mannesmann­rohre. Entsprechend über­wältigend war das Interesse, das der Erfindung entgegen­gebracht wurde. In kurzer Zeit entstanden Mannesmann­röhren-Werke in Remscheid, Bous an der Saar, Komotau/Böhmen (Österreich) und Landore/Wales (Großbritannien). Weitere Standorte folgten. Unterstützt von einer inter­nationalen Vertriebs­organisation, eroberte das Mannesmann­rohr rasch die ganze Welt. 

Mannesmann­rohre wurden zum Bau von Leitungen auf allen Kontinenten verwendet. Als Masten schmückten sie unzählige große und kleine Städte, und als Bohr­rohre ermög­lichten sie die Er­schlie­ßung tieferer Erdöl­vorkommen. Bis Ende der 1960er- Jahre blieb das Stahl­rohr das Haupt­erzeugnis des neu entstandenen Konzerns. Dessen Ausbau zielte konsequent darauf ab, das Rohr und seine Qualität weiter zu verbessern. Inzwischen war das Stahlrohr auch als wett­bewerbs­fähiges geschweißtes Rohr erhältlich. Die drei Wortmarken Mannesmann, Mannesmann­röhren und Mannesmann­rohr wurden sehr früh weltweit als Waren­zeichen eingetragen; ebenso wie das 1912 vom berühmten Industrie­designer Peter Behrens entworfene Marken­zeichen des MW im geteilten Kreis. In den 1960er-Jahren entstand der Slogan „Man fragt den Mann von Mannesmann“, der zum geflügelten Wort wurde. Bis heute genießt die Marke Mannesmann weltweit einen heraus­ragenden Ruf – als Synonym für nahtlose und geschweißte Stahlrohre höchster Qualität. 

Im Jahr 2000 erwarb die Salzgitter AG die Mannesmann­röhren-Werke und gründete den Unter­neh­mens­­bereich Röhren. Als Teil des Salzgitter-Konzerns entwickelten sich die Röhren­produktion und die Mannesmann-Gesell­schaften kontinuierlich weiter. Ziel war es, die Fertigung auf die künftigen Anfor­derungen des Marktes auszurichten. Heute sind die Gesell­schaften des 2014 unbenannten Geschäfts­bereichs Mannesmann ein zentraler Bereich des Salzgitter-Konzerns. Jeden Tag arbeiten hier rund 8000 Mitarbeiter an den besten Rohren der Welt. 

Seit mehr als 130 Jahren wird der Markenname „MANNESMANN. Das Rohr.“ als Verpflichtung ver­standen; als Anspruch, mit exzellentem Experten­wissen, inno­vativer Techno­logie und umfassenden Dienst­leistungen stets hervorragende Produkte an die weltweite Kundschaft zu liefern.