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Melitta

Der Kaffeefilter

FIRMENNAME
Melitta Gruppe

KLASSIKER
Melitta Filtertüten (seit 1937)
Melitta Gourmet Filtertüten mit 3 Aromazonen (seit 2008)

GRÜNDUNG
1908 in Dresden

GRÜNDERIN UND ERFINDERIN
Melitta Bentz (1873 – 1950)

MITARBEITENDE
4550 (weltweit, 2017)

GRUPPENUMSATZ
1,541 Mio. Euro (weltweit, 2017)

Vollendeter Kaffee­genuss ist für so manchen die aller­größte Versuchung, und genau dafür steht der Markenname Melitta® schon seit mehr als einem Jahr­hundert, getreu dem bekannten Slogan „Melitta macht Kaffee zum Genuss“. Als das belebende Heiß­getränk im Europa des 17. Jahrhunderts beliebt wurde, waren fünf­minütiges Köcheln oder der Kannen­aufguss gängige Zube­rei­tungs­arten – bis eine Dresdner Hausfrau namens Melitta die Kunst des Kaffee­kochens bis zum heutigen Tag revo­lutio­nierte. Melitta Bentz hatte sich schon immer über den Rest an Kaffee­satz geärgert. Im Jahr 1908 fand sie die Lösung, wie sie ihren Kaffee satzfrei halten konnte. Durch einen mit Filtrier­papier arbeitenden Kaffee­filter trennte sie das Kaffee­mehl vom fertigen Getränk. Den Boden eines Messing­topfs durch­löcherte sie siebartig und legte darauf ein Lösch­blatt aus dem Schulheft ihres ältesten Sohns: Das Prinzip der modernen Kaffee­zube­reitung war geboren.

Melitta und ihr Mann Hugo Bentz erkannten schnell die Trag­weite ihrer Erfindung. Noch im selben Jahr gründeten sie eine Firma und meldeten ihr Produkt beim Kaiserlichen Patentamt zu Berlin an. Die Firma startete mit 72 Reichs­pfennigen Kapital und hatte unmittelbar Erfolg: Sie gewann auf der inter­nationalen Hygiene­ausstellung 1910 goldene und silberne Medaillen – und wuchs in den 1920er-Jahren zu einem bedeut­samen Unter­nehmen. Zum Schutz vor zahlreichen Nach­ahmern wurde 1925 die bis heute für Marken­qualität stehende rot-grüne Farb­kombination der Packung eingeführt, 1932 kam der typische Melitta®-Schrift­zug als Synonym für Kaffee­zubereitung nach der Filtermethode dazu. 

Als sich Mitte der 1930er-Jahre dann die Form des Kaffee­filters änderte – er läuft seit­her unten schlitz­förmig zu –, wurden passend dazu die heute als Melitta® Filtertüten® bekannten Filter­papiere entwickelt, patentiert und 1937 auf den Markt gebracht. War das Prinzip des Kaffee­filters mit dieser Paten­tierung ausge­reift, so veränderte sich doch im Lauf der Jahr­zehnte das äußere Erschei­nungs­bild der Melitta®-Filter. Anfangs wurde der Filter aus weißem Porzellan hergestellt, in den 1950er-Jahren folgten farbig glasierte Schnell­filter aus Steingut. 1963 kamen die ersten Filter aus bruch­festem Kunst­stoff auf den Markt, zugleich mit dem neuen 1x4-Filter­größen­system, das die Dosierung erleichterte. „1x4“ stand ursprünglich für „1 Schnellaufguss von Hand ergibt 4 Tassen Kaffee“. Moderne Kaffee­maschinen filtern die doppelte Menge: „1x4“ eignet sich für acht bis zehn Tassen Kaffee.

Die 1x4-Tüte entwickelte sich im Haushalt zur gebräuch­lichsten Größe, während die Qualität der Kaffee­filter stetig verbessert wurde. Wichtige Weiter­ent­wicklungen waren 1989 die natur­braunen unge­bleichten Kaffee­filter und 1992 das umwelt­schonend mit Sauer­stoff gebleichte weiße Filterpapier. Seit 2011 verwendet Melitta® für alle Kaffee­filter ausschließlich Rohstoffe aus FSC-zertifizierten Quellen, die aus nach­haltiger Forst­wirtschaft stammen. Seit 1997 bestehen Melitta® Filter­tüten® aus patentiertem Aromapor® Papier, das durch seine mikro­feinen Poren dafür sorgt, dass nur die feinen Aroma­stoffe in den Kaffee gelangen. Die jüngste Inno­vation sind jedoch die neuen Gourmet Kaffee­filter mit AromaporenPLUS®. Deren schlitz­förmige Aroma­poren sind besonders durch­lässig für Kaffeeöle, die Träger der 800 im Kaffee enthaltenen Aroma­stoffe. Das Ergebnis ist ein Kaffee­erleb­nis mit noch mehr Aroma­vielfalt.

So ist Melitta® Traditions­marke und doch stets auf der Höhe der Zeit – auch, was ihre Marketing­konzepte betrifft. Aus dem kleinen Hand­werks­betrieb der Kaiser­zeit ist eine seit dem Jahr 1929 in Minden ansässige, inter­national in vielen Geschäfts­feldern arbei­tende Unter­nehmens­gruppe geworden, die eine ganze Produkt­palette rund um den Kaffee anbietet – vom gemahlenen und vakuum­verpackten Kaffee­pulver (ebenfalls eine Melitta®-Erfindung) über die ganze Bohne bis hin zu Kaffee­voll­automaten. Auch wenn der Kaffee heute meist aus der Maschine kommt: Gefil­tert wird immer noch nach dem Prinzip der Dresdner Haus­frau, die ihr Schicksal nicht im Kaffee­satz lesen mochte, sondern es tatkräftig selbst in die Hand nahm, indem sie dem Kaffeesatz den Garaus machte.