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Plexiglas

Das Acrylglas

FIRMENNAME
Evonik Performance Materials GmbH

KLASSIKER
PLEXIGLAS® (seit 1933)

GRÜNDUNG
1907 in Esslingen (Röhm)

GRÜNDER
Dr. Otto Röhm und Otto Haas

ERFINDER
Röhm & Haas AG

HAUPTFERTIGUNGSSTÄTTEN
Weiterstadt, Darmstadt, Wörth und Worms

Eigentlich wollte der Chemiker Dr. Otto Röhm durchsichtige Autoreifen erfinden. Es war das Jahr 1911, und der gelernte Apotheker stellte sich eine Art transparentes Gummi vor, das die Fahrzeuge wie auf einem Luftband rollen ließ. Als er dann einige Jahre später das Ergebnis, ein hochtransparentes, hartes Material, in den Händen hielt, soll er gesagt haben: „Jetzt bin ich aber perplex!“ Es ist nicht belegt, ob diese Geschichte wahr und damit die Grundlage für den Markennamen ist. Belegt ist aber, dass Röhm und sein Team einen der ersten und bis heute witterungsbeständigsten Kunststoffe erfunden hatten. Bei seinen Forschungen gelang ihm erstmals die sogenannte Polymerisation von Methylmethacrylat. Das Resultat war ein glasklarer, bruchfester und harter Kunststoff, für den sich eine ganze Welt von Anwendungen eröffnete. Röhm gab ihm den Namen PLEXIGLAS® und entwickelte 1933 ein Verfahren, das es erlaubte, DINA4-große Platten herzustellen. Der Beginn des Siegeszuges eines der verblüffendsten Kunststoffe der Welt.

Der Allrounder PLEXIGLAS® lässt sich extrem gut verarbeiten, einfach formen und nahezu beliebig einfärben, er ist brillant, schlagfest und hat eine robuste Oberfläche. Und – was besonders erstaunlich ist – er ist in seiner klaren Form transparenter als Mineralglas. Kein Wunder, dass Röhm, der schon 1907 mit einem Partner in Darmstadt die Firma Röhm & Haas gegründet hatte, auf der Weltausstellung in Paris 1937 Furore machte. Er begeisterte die Besucher unter anderem mit einer funktionsfähigen durchsichtigen Geige. Von Anfang an gab es PLEXIGLAS® in zwei Varianten. Einerseits produzierte man fertige Platten, aus denen mit diversen formgebenden Verfahren wie Sägen, Schleifen oder Umformen Produkte gefertigt wurden und werden. So entstanden beispielsweise gebogene Fensterscheiben für Autobusse oder leichtgewichtige und dennoch extrem widerstandsfähige Hauben für Flugzeuge, während Randstücke etwa zu Küchenbestecken verarbeitet wurden. Andererseits produzierte man aber auch ein Granulat, das in Spritzgieß- und Extrusionsverfahren eingesetzt wird. Die ersten Spritzgießartikel aus PLEXIGLAS® waren kleine Linsen, hinter denen Mikrofotos befestigt waren und die oft in Bleistifte eingebaut wurden.

Der Markt für das unverwüstliche Leichtgewicht PLEXIGLAS® boomte nach dem Krieg geradezu. Die Produktionsverfahren wurden verfeinert, unzählige Produkte kamen auf den Markt. Schreibgeräte, Telefongehäuse, Schalter im Fahrzeuginnenraum, Lichtkuppeln – alles aus PLEXIGLAS®. Heute trägt jedes zweite Autorücklicht in Europa eine Abdeckung aus dem Spezialkunststoff. Der Privatmann benutzt PLEXIGLAS ® Platten, wenn er sein Gewächshaus verglast oder seinen Carport überdacht. Auch Leuchten- und Tachometerabdeckungen, Handydisplays oder Liegeflächen von Solarien sind aus PLEXIGLAS®. Der Geschäftsmann setzt es für Industriebauten, Messestände, Lichtwerbeanwendungen und sogar für Lärm- und Windschutzwände ein.

Eine besonders spektakuläre Anwendung hatte jedoch schon vor fast 50 Jahren Premiere: Die Olympiabaugesellschaft München entschied sich 1970 für eine Überdachung des Stadions mit PLEXIGLAS®. Rund 75.000 Quadratmeter wurden mit PLEXIGLAS® Platten eingedeckt. Das Ergebnis war und ist – erst recht nach der Renovierung im Jahr 1997 – unbestritten eine der schönsten Sportstätten der Welt. Ein besonderes Merkmal von PLEXIGLAS® ist seine Vielseitigkeit: Von anspruchsvollen optischen Linsen und Lichtleitern in Flachbildschirmen und Kfz-Nummernschildern bis zu nicht transparenten Karosserieanbauteilen; von Schutz bietenden transparenten Lärmschutzwänden bis zu Aquarien- und Poolverglasungen; und von attraktiven Gebrauchsartikeln bis zu Hitze reduzierenden Stegplatten für Dachverglasungen: PLEXIGLAS® ist heute wie vor über 80 Jahren ein moderner Markenkunststoff, der Designer und Konstrukteure kreativ anregt.

Zwar haben Autos heute immer noch schwarze Reifen, aber dass der 1939 verstorbene PLEXIGLAS® Erfinder Röhm, dessen einstiges Unternehmen heute zur Evonik AG gehört, mit der Entwicklung seines Produktes sicherlich dennoch zufrieden wäre, ist klar. Glasklar.