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Schwalbe

Der Fahrradreifen

FIRMENNAME
SCHWALBE Ralf Bohle GmbH

KLASSIKER
SCHWALBE (seit 1973)

GRÜNDUNG
1922 in Bergneustadt

ERFINDER
Ralf Bohle

MITARBEITENDE
195 weltweit, zzgl. 3800 beim Joint-Venture-Partner

JAHRESUMSATZ
174 Mio. Euro (2017)

Die Dänen und die Niederländer machen es vor – aber Deutschland holt gewaltig auf: Rein statistisch besitzt inzwischen fast jeder Deutsche ein Fahrrad. Ganze 73,5 Millionen Stück bezifferte der Verband der Zweirad-Industrie den Bestand in 2017, davon übrigens 3,5 Millionen E-Bikes. Und nicht nur auf dem platten Land steigen die Leute auf den Drahtesel um, auch in den Städten ist es längst die umweltschonendere, gesündere, sparsamere und meist auch schnellere Methode der Fortbewegung. Vom Spaß am Fahren mal ganz zu schweigen. Und damit dieser Spaß nicht durch die gefürchteten „Platten“ getrübt wird, greifen die meisten Radler und Radhersteller für die Bereifung auf eine Marke zurück, die landläufig für höchste Qualität steht: Schwalbe.

Der europäische Marktführer für Fahrradreifen und -schläuche hat seinen Hauptsitz in Reichshof-Wehnrath, in der Nähe von Gummersbach. Diese Standortwahl ist historisch bedingt, liegen seine Wurzeln doch im nur 35 Fahrradminuten entfernten Bergneustadt. Hier gründeten die Brüder Eugen und Willy Bohle im Jahr 1922 ein Unternehmen, das ursprünglich Fahrradteile aus Deutschland und Europa nach Asien exportierte. Doch der Zweite Weltkrieg und der spätere Aufbau eigener, preisgünstigerer Industrie in den asiatischen Märkten erschwerten den Export. Ralf Bohle, der im Jahr 1955 in zweiter Generation ins Unternehmen eingestiegen war, erkannte die Zeichen der Zeit – und handelte. Er drehte den Spieß um und nutzte seine guten Kontakte nach Asien, um Fahrradteile für deutsche Hersteller zu importieren.

Die wohl wichtigste Entscheidung traf Bohle im Jahr 1973: „Wir spezialisieren uns ausschließlich auf Fahrradreifen“. Seine überzeugung: In einem Umfeld, in dem Reifen hauptsächlich als Verschleißteile angesehen werden und Radfahrer meist nur die Erfahrung „Panne“ mit ihnen assoziieren, müsste man mit Qualität und Haltbarkeit punkten können. In der koreanischen Unternehmerfamilie Hung-A fand er einen Partner, der ihm kontinuierlich beste Qualität produzieren konnte, und erreichte schon nach zwei Jahren eine Kapazität von drei Millionen Reifen jährlich. Den Namen für sein Unternehmen übernahm er von der koreanischen Marke Swallow, „Schwalbe“. In Asien ein Symbol für Glück und Erfolg, steht der kleine Vogel auch hierzulande für Geschwindigkeit und Freiheit. So hielt der gegabelte Schwalbenschwanz sogar Einzug in das Unternehmenslogo.

Inzwischen sind es 16 Millionen Reifen und Schläuche, die jährlich produziert werden. Bei Schwalbe – beziehungsweise der Ralf Bohle GmbH, so der offizielle Name – widmet man sich mit Leidenschaft der Weiterentwicklung des Produkts. Schließlich waren es immer wieder Erfindungen von Schwalbe, die in den letzten Jahrzehnten die Grenzen des Machbaren verschoben haben: etwa der Schwalbe Marathon, der erste Langlaufreifen für Fahrräder mit einer bis dahin nicht gekannten Laufleistung. Darauf folgten der „unplattbare“ Schwalbe Marathon Plus, oder der großvolumige Reifen für Luftfederung am Fahrrad: Schwalbe Big Apple, perfekt für die immer populärer werdenden Balloonbikes. Auch für Rollstühle entwickelte man in Reichshof-Wehnrath wegweisende Innovationen. So sind die Schwalbe 2Grip Rollstuhlreifen besonders handschonend für die Fahrerinnen und Fahrer.

Alle Produkte werden in Deutschland entwickelt und bei Joint-Venture-Partnern in Indonesien und Vietnam produziert. Rund 3800 Mitarbeitende sind dort in den Produktionsstandorten beschäftigt. Am Hauptsitz in Deutschland sowie in den Tochterunternehmen in Großbritannien, Frankreich, Italien, den Niederlanden sowie USA/Kanada beschäftigt Schwalbe circa 195 Mitarbeitende. Sie erwirtschafteten im Geschäftsjahr 2017 einen Umsatz von rund 174 Millionen Euro. CEO des Unternehmens ist seit 2000 Frank Bohle in dritter Generation, neben ihm gehören Holger Jahn und Andreas Grothe zur Geschäftsführung.

Was die drei Geschäftsführer und einen Großteil der Belegschaft vereint: Sie alle sind absolute Zweirad-Enthusiasten. Mit dem Rad über die Alpen, durch Asien auf zwei Rädern, die Teilnahme an der Tour de France – all diese Aktivitäten gehören zum Erfahrungsschatz bei Schwalbe. Somit ist klar: Um den Spaß am Radfahren muss man sich in Europa keine Sorgen machen.