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Styropor®

Der Dämmstoff

FIRMENNAME
BASF SE

KLASSIKER
Styropor® (seit 1951)
Neopor® (seit 1998)

ERFINDER (STYROPOR®)
Fritz Stastny (1908–1985)

BEKANNTHEIT
97 % (Studie von BIK Marplan)

VERTRIEB
weltweit

Wie ein Flaschengeist entstieg 1949 ein fester weißer Schaum einer Schuhcremedose. Es war das Material, aus dem der Tüftler Fritz Stastny einen Jahrhundertwerkstoff entwickelte: Styropor®. Geboren rein zufällig, ja aus Vergesslichkeit. Dem umtriebigen Chemiker war im Stammwerk Ludwigshafen der Badischen Anilin- und Sodafabrik, der heutigen BASF SE, auf der Suche nach einer effektiven Kabelisolierung eine Erfindung gelungen, deren Erfolgsaussicht er zunächst noch nicht einschätzen konnte. Er ahnte jedoch bereits, dass es sich um eine bahnbrechende Entdeckung handelte.

Anderthalb Monate zuvor hatte er Petroläther als Treibmittel zu einer Lösung von Polystyrol in Monostyrol gegeben und dabei Benzoylperoxid als Katalysator genutzt. Den Versuch führte er in einer Schuhcremedose durch, da diese sich gasdicht schließen ließ. Er hielt nach dem Öffnen der Dose in seinem Laborjournal fest: „Klare Lösung, bei Raumtemperatur bis 1.12.1949 gelagert. Durchsichtige, harte Scheibe entnommen.“ Das Muster sollte nun bis zum Abend in der Dose im Trockenschrank lagern. Der Forscher vergaß es jedoch dort und fand am nächsten Morgen anstelle der Scheibe einen starren Schaumstrang vor, der den losen Dosendeckel um 25 Zentimeter angehoben hatte. Es folgten zahlreiche Experimente, in denen es Fritz Stastny gelang, das Raumgewicht des Stoffes weiter zu verringern und gleichmäßige, feine Poren entstehen zu lassen, bis er schließlich den Schaumstoff herstellen konnte, den wir heute unter dem Namen Styropor® kennen.

Doch was ist Styropor®, und was macht dieses Material so besonders? Styropor® sind kleine, weiße, expandierbare Kügelchen auf Basis des Kunststoffs Polystyrol (expandierbares Polystyrol, EPS). Der Rohstoff Styropor® wird weiterverarbeitet zu Hartschaumstoffplatten oder Formteilen, die aus bis zu 98 Prozent Luft bestehen. Das macht sie leicht und isolierfähig. Der Schaumstoff zeichnet sich durch hohe Druckfestigkeit, hervorragende Stoßdämpfung und Unempfindlichkeit gegenüber Feuchtigkeit aus. Gleichzeitig ist er beständig gegen Säuren und Laugen.

1951 ließ die BASF Styropor® als Marke registrieren, im selben Jahr begann die Produktion. Die Vorteile ihrer Innovation präsentierte die BASF erstmals 1952 der Öffentlichkeit: Die neuen Formteile waren nicht nur günstiger, sie wogen auch rund zehnmal weniger als Kork. Mit dem Slogan „Das leichteste Schiff der Welt“ verteilte das Ludwigshafener Unternehmen auf der Düsseldorfer Kunststoffmesse mit Dampf aufgeschäumte Spielzeugboote. Im ersten Großauftrag lieferte die BASF Rettungsringe an ein schwedisches Unternehmen. Seitdem haben sich die Anwendungsmöglichkeiten vervielfacht. Im spektakulärsten Einsatz in der Geschichte des Materials erhielt ein Schiff „Schwimmflügel“ aus Styropor®. Als am 14. September 1964 im Hafen von Kuwait ein Frachter mit 6000 Schafen an Bord sank, musste das Schiff schnellstmöglich gehoben werden, denn die toten Tiere drohten das Trinkwasser zu verseuchen. Dänischen Ingenieuren kam die Idee, Styropor® in den Schiffsbauch zu pumpen. Der schwere Koloss tauchte alsbald im Hafen auf, die Kuwaiter Bürger konnten aufatmen. Ende der 1950er-Jahre gelang der Durchbruch zur Massenproduktion. Styropor® ebnete der BASF den Weg ins Ausland. Anfragen nach Lizenzierung ließen nicht lange auf sich warten. Nach ersten Lizenzen in den USA folgten weitere in Kanada. Im nächsten Schritt errichtete die BASF eigene Produktionsanlagen. In den 1960er-Jahren eroberte Styropor® als Dämmstoff, aber auch als Verpackungsmaterial den Weltmarkt. Als globales Erfolgsprodukt ersetzte der Hartschaumstoff in vielen Anwendungen Glaswolle und Naturstoffe wie Torf und Kork. Im Bauwesen zählte Styropor® bald zu den wichtigsten Dämmstoffen.

Auch im 21. Jahrhundert schützen Styropor® und das EPS der neuen Generation – Neopor® – weltweit Gebäude vor Kälte und Hitze. Neopor® ist die graphithaltige Weiterentwicklung des Dämmstoffklassikers Styropor®. Durch die hervorragenden Eigenschaften wird Dämmung aus Neopor® zum Maßstab im EPS-Markt. Im Zeitalter der globalen Erwärmung steuern Dämmplatten aus Neopor® somit bedeutend zum Umweltschutz bei. Neopor® zeichnet sich durch eine exzellente Ökoeffizienz aus und leistet somit einen starken Beitrag zur Gesamtbeurteilung von Gebäuden unter Nachhaltigkeitskriterien.