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THONET

Der Stuhl

FIRMENNAME
THONET GmbH

KLASSIKER
S64 (seit 1929/30)

GRÜNDUNG
1819 in Boppard (Rhein)

GRÜNDER
Michael Thonet (1796–1871)

VERTRIEB
weltweit

HAUPTFERTIGUNGSSTÄTTE
Frankenberg

Der Übergang vom handwerklichen ins industrielle Zeitalter ist nur wenigen Unternehmen so geglückt wie dem Haus Thonet. Ausgangspunkt war eine Werkstatt, die Michael Thonet 1819 in Boppard gründete. Seine ungewöhnlichen Entwürfe von Möbeln aus gebogenem Schichtholz beeindruckten unter anderem Fürst Metternich, der ihn 1848 nach Wien einlud, wo er zur Ausstattung des Palais Lichtenstein, des Palais Schwarzenberg und des Café Daum beitrug. Sein erstes industriell gefertigtes Möbelstück war der Stuhl Nr. 14, der sich bis heute als „Wiener Caféhaus-Stuhl“ mehr als 50 Millionen mal verkauft hat.

Neue Produktionsweisen verlangen immer ein Umdenken – auch in Bezug auf Gestaltung und Design; die Rückverpflichtung des Künstlers auf das Handwerkliche unter Berücksichtigung moderner industrieller Fertigungsweisen. Dies ist der bleibende Beitrag des Weimarer Bauhauses zur Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts. Mit der These „Kunst und Technik – eine Einheit“ formulierte Walter Gropius als Programmatik die Versöhnung von Ästhetik und Funktion. So war es nur konsequent, dass eine Firma, deren Gründer Michael Thonet schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts diese Philosophie in die Praxis umgesetzt hat, eine enge und fruchtbare Zusammenarbeit mit führenden Vertretern des Bauhauses aufnahm. 

Untrennbar mit dem Namen Thonet verbunden sind in diesem Zusammenhang die Stühle des Bauhaus-Architekten Marcel Breuer: 1930 zeigte Thonet in seinem Katalog dessen berühmten Stuhl S 32 – damals noch unter dem Namen B 32: Ein kubisch geformter Freischwinger mit schwarzem Buchenrahmen, kombiniert mit einer Sitzfläche und Rückenlehne aus Rohrgeflecht. Gleichzeitig erschien dieser Klassiker auch mit Armlehnen, heute als S 64 bekannt. Die Entwürfe zu beiden Versionen resultierten aus Breuers Experimenten mit dem Prinzip des hinterbeinlosen Kragstuhls; ein Prinzip, das unter dem Begriff Freischwinger populär geworden ist und das auf einen Entwurf des holländischen Architekten Mart Stam von 1926 zurückgeht. 1961 wurde ihm dafür das künstlerische Urheberrecht zugesprochen. Sitz und Rücken des S 32 und S 64 sind bespannt; der Korpus wird aus federhartem und zugblankem Präzisionsstahlrohr gefertigt. Die mehrfachen Schleifvorgänge verschiedener Körnungen bieten die optimale Grundvoraussetzung für die hochwertige Verchromung.

Die Qualität des Stahlrohrs garantiert die unbegrenzte Haltbarkeit und den andauernden Schwingeffekt des Stuhls. So setzt Thonet die Ausgangsidee Marcel Breuers, der Sitzende solle sich so fühlen, als säße er auf einer elastischen Luftsäule, gekonnt in Szene. Über die Modelle S 32 und S 64 hinaus führt Thonet auch andere Stühle nach Entwürfen von Marcel Breuer im Programm – und vieles andere mehr: vor allen Dingen Stühle, aber auch Tische und Beistellmöbel für den Wohn- und Objektbereich; und seit 2015 mit dem Programm 2000 auch ein Sofa aus gebogenem Holz, das Christian Werner ganz in der Tradition der Thonet-Modelle entworfen hat.

Die ältesten Entwürfe aus dem Hause Thonet sind bereits länger als 150 Jahre im Portfolio. Sie haben alle Stil- und Modeschwankungen überdauert. Zielgruppenanalysen zeigen immer wieder, dass Thonet gerade bei jungen Menschen als aktuelle Marke erlebt wird. Neben den Klassikern aus Bugholz und Stahlrohr entstehen in Frankenberg viele zeitgenössische Kollektionen, darunter beispielsweise der Loungesessel 808, der Schreibsekretär S 1200 und das erfolgreiche Programm 404 von Stefan Diez. Dabei verfügt Thonet über modernste Produktionstechnologie einerseits und langjähriges Know-how andererseits. Im unternehmenseigenen Showroom, Museum und beim Rundgang durch die Produktionsstätten erfahren Besucher, wie bei Thonet Tradition und moderne Technologie zukunftsweisend Hand in Hand gehen. Im Jahr 2019 feiert Thonet nicht nur sein 200-jähriges Firmenjubiläum, sondern auch 100 Jahre Bauhaus und wird dabei ausgewählte Produktneuheiten renommierter Designer – sowie Jubiläumseditionen präsentieren.

200 Jahre Thonet, 200 Jahre Ikonen des Designs: Das weltberühmte Unternehmen hat in seiner einzigartig langen Geschichte immer wieder neue Klassiker hervorgebracht. Entstanden am Puls der Zeit, sind Thonet-Möbel sind wertbeständige, kulturträchtige Begleiter für Menschen auf der ganzen Welt.